Morgengruß vom Wachtelberg

von Anton Kracik

Hier stehst du immer voll Entzücken,
der Blick ins Tal hinunterfliegt,
wo ausgebreitet wie die Karte,
dein Berga dir zu Füßen liegt.
 
Wo durch die Wälder und die Auen
die Elster schlingt ihr Silberband.
Wo kannst du größre Wunder schauen,
als hier vor dir, dies Märchenland.
 
Wie still liegt doch mein Berga hier,
am Hang so traulich angeschmiegt,
wo Wald und Flur so sanft verschmelzen,
in Morgenträumen eingewiegt.
 
Die Berge gar so lieblich schauen,
manch lieber Gruß wird uns gesandt,
mit dir woll'n wir die Zukunft bauen
voll Stolz und Glück, du Heimatland.

***

Berga liegt im Vorgebirgsland und so finden sich die ältesten Spuren erst in der Spätsteinzeit. Die urkundliche Geschichte aber beginnt 1216. Die Herren von Lobdeburg erscheinen da als Herren von Berga. Sie sind mit größter Wahrscheinlichkeit die Gründer der Stadt und die Erbauer der Burg. Die alte Handelsstraße von Zwickau über Saalfeld nach Erfurt führte durch Berga und war damals noch sehr wichtig. Das Gebiet war aber arm (ungünstige Bodenverhältnisse) und somit war Berga zum Kleinstadtdasein verurteilt.

 

Aufnahme von Berga/Elster am 04.08.2007 / Foto: Daniela Krause

 

Kriege der Weidaer Vögte mit den Wettinern setzten Berga stark zu. Es wurde mehrmals ein Raub der Flammen und die Grundherrschaften auf Schloß Berga und Markersdorf waren für den kleinen Ort alles andere als positiv. Im Bauernkrieg entlud sich der Hass gegen die Obrigkeit, wozu auch die Kirche gehörte. Die Kapelle in Pöltzschen wurde damals zerstört. Auch der 30jährige Krieg brachte nur Tod und Verwüstung. 1634 wurde die Burg, Schloß Berga, gestürmt und der Ort eingeäschert. Erst in der Neuzeit ging es langsam aufwärts. 1816 kam Berga durch Landesteilung an das Großherzogtum Sachsen/Weimar und wurde systematisch gefördert. Mit dem Einzug der Industrie nach dem Bahnbau 1875 begann ein merklicher Aufschwung, doch die Zeiten nach 1918 brachten Stagnation.

Der Pseudoaufschwung während der SED-Herrschaft ergab nur eine Stadtvergrößerung, kulturell aber eine betrübliche Verarmung. Seit der Wende erst keimt vieles wieder auf. Als ein liebenswertes Städtchen öffnet sich Berga seinen Besuchern. Im romantischen Elstertal gelegen, schmiegt es sich malerisch an die Hänge einer großen Flußaue. Diese Lage führte auch zu seinem Name. Die Altstadt, von bäuerlicher Kultur geprägt, präsentiert sich mit ihrer Bausubstanz im Zeitstil des späten Biedermeier. Neuere Wohngebiete umkränzen sie. Bevor die Franken in dieser Landschaft siedelten, hatten die Sorben Dörfer gegründet und Fliehburgen gebaut. Sagen erinnern noch daran. Aus diesen Burgen wurden später Herrensitze. Bürger und Grundherren entwickelten ein Gemeinwesen, das viel Geschichte hat, in jeder Epoche mit der Zeit gegangen ist und zusammen mit seinen sechs Teilortschaften heute fast 5000 Einwohner zählt. Berga ist bekannt als Ausgangspunkt für erholsame Wanderungen.

                                                    Text: Klaus Blam

 

Die Chronik der Stadt Berga an der Elster

       1216 wurde Berga erstmals benannt
       1310 erstmals als "Stadt" Berga bezeichnet
       1363 Berga wird Lehen von Meißen
       1386 Berga wird von den Soldaten König Wenzels von Böhmen
           niedergebrannt
       1427 Heinrich der Jüngere von Weide erwirbt Berga, nimmt auf der
           Burg seinen Wohnsitz und nennt sich ab da "Herr zu Berga" 
       1432 Hans von Wolfersdorf erhält das Schloß und die Stadt Berga zu
           Lehen
       1529 Georg Spalatin visitiert die Kirche in Berga
       1533 Bau der ersten Brücke über die Elster
       1593 Daniel von Watzdorf kauft Schloß und die Stadt Berga
       1626 - 1631
          und besonders 1633 wird Berga von Kriegshorden gebrandschatzt
          und das Schloß erstürmt
       1689 brennt Berga ab
       1798 wird die Schützengesellschaft gegründet
       1807 der Frondienst auf dem Schloß wird abgeschafft
       1816 der Verwaltungsbezirk Neustadt a.O., in dem Berga liegt, wird
          vom Königreich Sachsen abgetrennt und kommt zum
          Großherzogtum Sachsen - Weimar
       1842 großer Brand von Berga
       1879 erste mechanische Weberei in Berga
       1886 Eröffnung der Bergaer Sparkasse
       1887 die erste Bergaer Zeitung "Neue Gartenlaube" wird von der
           Druckerei Adler herausgegeben
       1888 die Eiche wird Bergaer Siegelbild
       1899 Ernst Engländer führt die Seidenweberei ein
       1900 Einrichtung der Stadtfernsprechanlage
       1944 das KZ Buchenwald richtet in Berga das Außenlager
           "Schwalbe V" ein
       1945 Einmarsch der amerikanischen Truppen
       1953 die Bergarbeitersiedlung, ein neuer Stadtteil, entsteht
       1968 Culmitzscher Bürger werden nach Berga umgesiedelt
       1991 Eingliederung der Gemeinde Unter- und Obergeißendorf
           in die Stadt Berga
       1991 Erschließung eines Gewerbegebietes
       1992 Eingliederung der Gemeinde Tschirma
       1994 Eingliederung der Gemeinde Clodra und Wolfersdorf 

                                                                            Stand: 2000          

Wie auch viele andere Städte, hatte auch Berga in früherer Zeit sein eigenes Geld. Hier nur eine kleine Auswahl vom Notgeld der Stadt Berga an der Elster.

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