Erinnerungen von Maira Bauer

Mein Leben in der DDR

  Liebe Daniela, Erinnerungen werden zu diesen Thema immer wieder wach (man vergisst sie nicht) und es waren für mich schöne Zeiten, aber es gab auch weniger schöne Zeiten.  

Im Jahr 1965 kamen wir in die DDR, da war ich 7 Jahre alt. Ich wurde mit 7 Jahren noch mal in die erste Klasse eingeschult. Das erste Jahr was ich in Berlin/West gemacht habe wurde nicht anerkannt, was für mich und meinen Eltern auch nicht weiter schlimm war. Ich besuchte die Schule 8 Jahre lang. In der 1.Klasse wurden wir Jungpioniere und bekamen wie jeder andere einen Jungpionierausweis und das blaue Halstuch worüber wir sehr stolz waren. Jeden Morgen bevor die Schule begann, war Fahnenapell. Leider habe ich diese Dokumente nicht mehr. Später wurden wir in der 4.Klasse als Ernst-Thälmann-Pioniere aufgenommen und bekamen das rote Halstuch. Die Freie deutsche Jugend kurz um FDJ genannt wurden wir dann auch später in der 8.Klasse aufgenommen. Ich war noch lange Zeit nach der Lehre als „FDJodler“ aktiv. Im Laufe der Schulzeit waren ja auch Ferien, Sommerferien waren 8 Wochen dort konnte man auch in den Ferien auf den Kartoffelacker sich Geld verdienen indem man Kartoffelkäfer absuchte. Wir durften in den Ferien auch mit auf dem Feld wo meine Mutter gearbeitet hatte da hatte der Arbeitsgeber nie was dagegen. Familien die in der LPG arbeiteten hatten auch Anspruch auf einen Bungalow wo sie Urlaub machen konnten es kostete nur das Essen und Trinken was man dazu brauchte, der Bungalow war kostenlos nutzbar. In der ganzen DDR an verschiedenen Orten hatte die LPG Bungalows. Da meine Eltern in der LPG arbeiteten mein Vater als Traktorist und meine Mami auf dem Feld. Die Kinder aus der LPG durften immer bis zum 13.Lebensjahr in einem Ferienlager von der LPG fahren, dass war schön (Grafenhainichen) vergesse ich nie. Jedes Jahr bin ich mit gefahren bis zu meinen 13.Lebensjahr dann durfte man nicht mehr, war ich auch sehr traurig darüber. Als meine 8 Jahre Schulzeit zu Ende waren, entschloss ich mich eine Lehre zu machen, die Lehre sollte schon was mit Tieren zu tun haben, weil ich Tiere so mochte. Ich wollte Zootechnikerin werden, leider konnte ich das nicht werden, weil man dazu hätte 10-Klassen Schule besuchen müssen. Aber mein Entschluss stand dennoch fest und ich wollte was mit Tieren tun. So wählte ich den Beruf Schweinezüchter, diese Ausbildung dauerte 3 Jahre lang, da aber die Ausbildungsstelle nicht in der Nähe von mein elterlichen Zuhause war, konnte ich in einen LWH-kurz um Lehrlingswohnheim leben, wo die Ausbildungsstelle gleich um die Ecke war. Meine Lehre hatte ich dann nach 3 Jahre mit der Zensur 3 erfolgreich abgeschlossen. Natürlich habe ich dann auch in diesen Beruf gearbeitet, was mir sehr viel Spaß machte. Auch mein Arbeitsgeber war früher die LPG, Landwirtschaftliche -Produktions -Genossenschaft genannt. In der LPG arbeite ich viele Jahre lang es war nicht immer einfach, immer körperliche schwere Arbeit, aber das machte mir nichts aus. Wir haben gut verdient und der Lohntag war immer pünktlich. Früher gab es noch keine Giro-Konten wo das Geld überwiesen wurde. Es gab ein Lohnbüro dort gingen wir unter der Mittagspause hin und bekamen unsere Lohntüte. Arbeitszeit war 40ig/Stunden/Woche. In der LPG konnte man auch Rüben verziehen, versetzten und haken. Für den wer nicht weiß was verziehen ist, das war für uns die Zuckerrübe oder Futterrübe vereinzeln. Für diese 7-8 Morgen oder mehr, bekam man Deputat. Deputat war in Form von Naturalien wie zum Beispiel Getreide und Schrot. Denn fast jeder zu DDR-Zeiten hatte ein oder mehrere Schweine im Stall sogar auch einen Bullen, eines wurde immer geschlachtet zumindest war es bei uns zu Hause so. Die anderen wurden verkauft, es gab gutes Geld dafür. Zu Hause bei meinen Eltern wo wir Kinder, meine Geschwister wir alle noch zu Hause lebten, war immer was los, nie lange Weile. Meine Eltern mussten ja schon immer zu 7 Uhr auf der Arbeit sein bis Nachmittag 16 Uhr. Da ja meine Eltern immer schon früh aus dem Haus zur Arbeit mussten, machte ich meine Geschwister für Kinderkrippe -Garten und Schule fertig und nahm sie mit. Beim Abholen war es genau nicht anders. Wir konnten aber in den Schulhort von früh, bis dann unsere Eltern nach Hause kamen dort bleiben, waren immer gut aufgehoben und meine Eltern brauchten dafür nicht einen Pfennig bezahlen. Das Soziale war auch viel besser in den Schulen, dass Gesundheitsamt oder das Jugendamt kam regelmäßig in den Schulen um sich davon zu überzeugen, dass es keine Läuse oder andere Krankheiten gab. Mein zu Hause war auf einen großen LPG-Hof wo noch Schafe, Kühe zu sehen waren. Wir selber wie schon erwähnt, hatten auch Schweine, Hühner und Kaninchen, es gab zu Weihnachten auch mal Kaninchenbraten. Mein Vater hatte es immer geschlachtet und das Fell durfte ich immer zum gerben weg bringen, dafür gab es auch Geld was ich dann behalten durfte. In der Schulzeit wurden auch Altstoffe und Altglas gesammelt dieses Geld kam in unserer Klassenkasse. In den Schulen fand auch jedes Jahr sowie von der LPG für die Kinder eine schöne Weihnachtsfeier die von der LPG gesponsert wurde, es kam auch der Weihnachtsmann mit Geschenken und für jedes Kind einen großen Beutel Leckereien, weiß bis heute noch nicht wer das alles immer bezahlt hatte. Für kinderreiche Familien, denn so war es bei uns (wir waren 5 zu Hause) gab es auch von der Stadt einen Gutschein für Bekleidungsgeld, da konnte man dann für den Winter Sachen für die Kinder kaufen, dass konnte man jedes Jahr beantragen. Also wenn mich einer fragen würde, wie hast du gelebt in der DDR kann ich immer nur sagen, meine Kindheit war ungeschoren und man durfte Kind sein, fröhlich frei und glücklich. Dies ist nur eine Kurzfassung von dem was ich als Kind, Jugendlicher und dann später als Erwachsener erlebt habe.

  Das sind meine Erinnerungen an die DDR

Geschrieben am 24.11.07 um 16 Uhr 36

von Maira Bauer, heute lebhaft in Sachsen-Anhalt

 

Meine noch vorhandenen Dokumente:

 

Teilnehmerheft für Feriengestaltung

 

Personalausweis der Deutschen Demokatischen Republik

 

 

 

 

 

FDGB-Ausweis

 

 

Späterer Sozialversicherungs- und Impfausweis für Kinder und Jugendliche

 

...bekam man zur Hochzeit vom Standesamt

Das ist der Banner zu Maira's Homepage

ZURÜCK

 

 Text und Bilder © by Maira Bauer